Art der Erkrankung

Das Wort „Hyperthyreose“ bedeutet übersetzt „Überfunktion der Schilddrüse“. Hierbei handelt es sich um eine Erkrankung der Schilddrüse, bei welcher vermehrt Hormone produziert werden. Diese Umfangsvermehrung ist oft gutartig und nur in seltenen Fällen (<5%) bösartig. Der gesamte Stoffwechsel des Körpers wird durch die übermässige Produktion von Schilddrüsenhormonen erhöht. Die Symptome einer Hyperthyreose werden durch den Hormonüberschuss ausgelöst. Die vergrösserte Schilddrüse am Hals kann ertastet werden, stört aber die Katze normalerweise nicht. Neben dem Diabetes Mellitus ist die Hyperthyreose die häufigste hormonelle Erkrankung bei Katzen.

Katzen besitzen zwei Schilddrüsen (oben im Bild rot angefärbt).

Welche Katzen sind von einer Hyperthyreose betroffen?
Die Erkrankung tritt vor allem bei älteren Katzen ab ca. 8 Jahren auf. Das Durchschnittsalter erkrankter Katzen beträgt 10-13 Jahre.

Die Ursachen

In den meisten Fällen handelt es sich um Tumore der Schilddrüse. Bei der Mehrheit der betroffenen Katzen liegt eine Überfunktion beider Schilddrüsenlappen vor, verursacht durch Adenome. Dabei handelt es sich  um gutartige Tumoren, die zu einer Vergrösserung des Organs führen. Welche Faktoren im Detail zu der doch recht häufigen Erkrankung der älteren Katze führen, sind bis heute nicht bekannt.  Seltener beruhen Schilddrüsenüberfunktionen auf dem Vorkommen von bösartigen Tumoren des Drüsengewebes, den Adenokarzinomen. Diese kommen meistens nur in einem Schilddrüsenlappen vor. Zu den ebenfalls seltenen Ursachen gehört auch das im Brustkorb „verstreute“ hyperaktive Schilddrüsengewebe. Sowohl die gutartigen wie auch die bösartigen Tumoren und das verstreute Schilddrüsengewebe produzieren vermehrt zu viel Schilddrüsenhormone.

Die Symptome

Betroffene Katzen zeigen sehr oft einen Gewichtsverlust trotz gutem oder sogar übermässigem Appetit. Das Fell ist bei Katzen mit Hyperthyreose häufig stumpf und struppig. Durch die vermehrte Hormonproduktion kommt es zu gesteigerter Aktivität bis hin zu Hyperaktivität oder Aggressivität. Weitere Symptome können Erbrechen, Durchfall, gesteigerter Durst oder vermehrter Harnabsatz sein. Diese Zeichen sind schwer zu erkennen, falls die Katzen Freigänger sind und vorwiegend draussen Kot und Urin absetzen. Selten sind Katzen mit Hyperthyreose weniger aktiv oder fressen schlechter. Ähnliche Symptome wie bei einer Hyperthyreose zeigen auch Katzen mit chronischer Niereninsuffizienz, Zuckerkrankheit (Diabetes Mellitus) oder einem Tumor. Die erwähnten Krankheiten treten, wie die Hyperthyreose, vermehrt bei älteren Katzen auf.

Die Diagnose

In vielen Fällen ist beim Abtasten des Halses eine vergrösserte Schilddrüse bereits spürbar. Bei einer Hyperthyreose kommt es als Folge der vermehrten Hormonproduktion zu einer erhöhten Herzfrequenz. Das Herz schlägt schneller und stärker als normal und der Herzmuskel verdickt sich. Beim Abhören des Herzens kann teilweise ein Herzgeräusch gehört werden. Diese Herzveränderungen können sich wieder normalisieren, sobald die Schilddrüsenüberfunktion behandelt wird. In einer Blutuntersuchung werden oft erhöhte Leberwerte gefunden. Die Diagnose Hyperthyreose wird durch eine Messung des Schilddrüsenwertes im Blut gestellt.

Die Behandlung & Therapie

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Schilddrüsenüberfunktion zu behandeln. Die gängigste Therapie ist mit Tabletten, welche normalerweise 2x täglich gegeben werden müssen. Als Alternative kann auch eine Salbe 1-2x täglich in die Ohrmuschel aufgetragen werden. Diese beiden Behandlungen müssen lebenslang durchgeführt werden, da ansonsten die entartete Schilddrüse wieder vermehrt Hormone produziert. Teilweise muss mit der Zeit die Menge an Medikament erhöht werden. Als dauerhafte Optionen gelten eine Operation oder die sogenannte Radioiod-Behandlung. Bei der Operation wird die entartete Schilddrüse entfernt, dabei müssen die lebenswichtigen Nebenschilddrüsen, welche auf der Schilddrüse liegen, geschont werden. Eine Behandlung mit Radioiod bedeutet, dass der Katze eine radioaktive Substanz gespritzt wird, welche die übermässige Hormonproduktion normalisiert. Diese Methode ist sehr erfolgreich und kaum mit Nebenwirkungen verbunden Das Problem bei dieser Behandlung besteht darin, dass die Katzen anschliessend 1-3 Wochen in Quarantäne gehalten werden müssen. Die Voraussetzungen für eine strahlensichere Quarantäne sind im Moment in der Schweiz nirgends gegeben. Die Radioiod-Behandlung müsste im Ausland durchgeführt werden. Eine neuere Behandlung besteht auch in der Fütterung von speziellem Futter. Wichtig hierbei ist, dass die Katze ausschliesslich dieses Futter erhält. Eine Kontrolle der Hyperthyreose durch Spezialfutter alleine kann aber nur in seltenen und leichten Fällen erreicht werden.

Fragen & Antworten

Wie oft müssen behandelte Katzen nachkontrolliert werden?
2-4 Wochen nach dem Start der Behandlung mit Tabletten oder Ohrensalbe sollten der Schilddrüsenwert und die Nierenwerte nachkontrolliert werden. Die Nierenwerte werden getestet, da durch die vermehrte Durchblutung der Nieren infolge einer Hyperthyreose eine allfällige zusätzliche Niereninsuffizienz versteckt sein kann. Bis die Schilddrüsenüberfunktion gut eingestellt ist, sollten regelmässige Kontrollen durchgeführt werden, anschliessend wird ca. alle 3-6 Monate eine Blutkontrolle durchgeführt.

Wie ist hoch ist die Lebenserwartung betroffener Katzen?
Da es fast immer um einen gutartigen Tumor handelt und die Krankheit normalerweise gut kontrolliert werden kann, ist die Prognose bei Hyperthyreose gut.

Was kann zur Vorbeugung einer Hyperthyreose unternommen werden?
Es ist noch unklar, wodurch eine Hyperthyreose ausgelöst oder begünstigt wird. Es werden verschiedene Faktoren diskutiert. Unter anderem können genetische Faktoren eine Rolle spielen. Die Gabe von Nassfutter kann die Entwicklung einer Hyperthyreose auch begünstigen. Zudem wird angenommen, dass Katzenstreu als Auslöser einer Schilddrüsenüberfunktion eine Rolle spielt.

Was kann passieren, wenn eine Hyperthyreose nicht behandelt wird?
Wie bereits erwähnt kommt es in Folge einer Schilddrüsenüberfunktion zu einer Verdickung des Herzmuskels. Diese Veränderungen am Herz können sich mit der Zeit verschlimmern und zu einer Wasseransammlung in oder um die Lungen und somit zu Atemnot führen. Die erhöhte Stoffwechselleistung bei einer Hyperthyreose kann auch zu Schäden an den Nieren führen. Eine weitere gefürchtete Komplikation der Hyperthyreose ist die Erblindung. Durch einen erhöhten Blutdruck kann es zu einer irreversiblen Netzhautablösung am Auge kommen und die Katzen können plötzlich erblinden.

Geschrieben von

Anna Geissbühler Philipp

Dr.med.vet. FVH für Kleintiermedizin
Dipl. Verhaltenstierärztin STVV

Anna Geissbühler Philipp ist seit 1991 Diplomierte Tierärztin im Kleintierbereich. Eröffnung der eigenen Praxis 1998. Durch ihre langjährige Erfahrung im Bereich Kleintiermedizin und laufenden Weiter- und Fortbildungen, vor allem in den Bereichen der Inneren Medizin, verfügt Sie über ein grosses Know-How und Wissen. Dieses gibt Sie aktiv an Ihre Mitarbeiterinnen und Auszubildenden weiter. Zusätzlich hat sich Anna Geissbühler Philipp im Bereich der Verhaltsmedizin weitergebildet und 2006 mit Diplom zur Verhaltenstierärztin abgeschlossen.