Art der Erkrankung

Flohbefall ist bei unseren Hunden und Katzen weitverbreitet und hat nichts mit mangelnder Sauberkeit oder mangelnder Pflege zu tun. Flöhe können aber die Gesundheit und das Wohlbefinden Ihres Tieres erheblich beeinträchtigen und sind deshalb ein ernstzunehmendes tiermedizinisches Problem.

Folgen von Flohbefall:
Lokale Hautreaktionen durch die Flohbisse mit erheblichem Juckreiz. Durch das Kratzen können Hautschädigungen mit nachfolgenden bakteriellen Infektionen entstehen.
Allergische Flohstichdermatitis (Flohekzem): durch den Speichel der Flöhe ausgelöste allergische Hautreaktionen bei gewissen Tieren/Menschen. Dabei entstehen Hautrötungen mit starkem Juckreiz am ganzen Körper. Nach Sensibilisierung der Haut genügen bereits wenige Flohstiche, um ein allergisches Flohekzem am ganzen Körper auszulösen.
Anämie (Blutarmut) und Abmagerung bei massivem Flohbefall. Speziell gefährdet sind davon Jungtiere, Katzen und kleine Hunderassen. Die Anämie wird durch das Blutsaugen der Flöhe verursacht (72 Flöhe verbrauchen pro Tag 1 ml Blut).
Bandwurmbefall bei Hunden und Katzen. Flöhe sind Zwischenwirte gewisser Bandwurmarten. Bei der täglichen Fellpflege können Hunde und Katzen Flöhe abschlucken und sich so mit dem Bandwurm-Zwischenstadium anstecken. Im Darm des Hundes / der Katze entwickeln sich dann die Bandwürmer vollständig.
Reizungen beim Menschen: Flöhe können sich auch auf den Menschen verirren. Die Stiche verursachen starken Juckreiz und führen zu Hautveränderungen. Meistens wird der Knöchelbereich betroffen, da die ausgeschlüpften Flöhe vom Boden hochspringen.

Flöhe sind für Tier und Mensch keineswegs nur lästige Plagegeister, sondern sie können zu gesundheitlichen Schäden führen. Wenn Sie Flohbefall bei Ihrem Haustier feststellen, sollten Sie in jedem Fall sofort handeln und eine konsequente Flohbekämpfung durchführen, um Mensch und Tier vor Krankheit zu schützen.

Die Ursachen

Flöhe sind blutsaugende Parasiten. Sie gehören zu den Insekten, sind flügellos, ihr Körper ist seitlich abgeflacht und sie besitzen 3 Beinpaare. Das hinterste Beinpaar ist viel länger und dient als Sprungbein; deshalb verfügt der Floh über ein enormes Sprungvermögen. Die erwachsenen Flöhe leben auf ihrem Wirtstier (Säugetiere und Vögel) und benötigen ca. alle 6 Stunden eine Blutmahlzeit, um sich fortpflanzen zu können. Flöhe sind wirtstreue Parasiten, d.h. wenn ein Floh nach dem Schlüpfen mit großem Sprung auf seinem neuen Wirt gelandet ist, beginnt er sofort Blut zu saugen und verlässt sein Wirtstier nicht mehr freiwillig. Flöhe sind jedoch nicht rein wirtspezifisch, d.h. sie können in der Not (kein passender Wirt zugegen) auch wirtsfremde Warmblüter befallen. Sie sind hingegen an die Wohn- und Aufenthaltsorte ihrer Wirte gebunden. Bei uns am weitesten verbreitet ist der Katzenfloh, er ist weltweit auf Hunden und Katzen zu finden. Hunde- und Katzenflöhe können auch einmal den Menschen „besuchen“. Dabei können sie sich nicht fortpflanzen, hinterlassen jedoch unangenehm juckende Stichstellen, welche zum Kratzen veranlassen und sich dann auch entzünden können. Im schlimmsten Fall führt wiederholter Flohbefall bei Mensch und Tier zu einer Sensibilisierung der Haut/des Körpers auf Flohspeichel. Eine Flohspeichelallergie mit starkem Juckreiz und ausgedehnten Ekzemen kann die Folge sein.

Lebenszyklus

Flöhe sind unglaublich fortpflanzungsfähig. Das Flohweibchen legt seine Eier (ca. 50 pro Tag) während seines 3-4 wöchigen Lebens täglich ins Fell (oder Federkleid) seines Wirtstieres und sorgt so für tausendfachen Nachwuchs. Die Eier sind 0.5x 0.3 mm groß und durchscheinend bis porzellanfarbig. Die glatten Eier fallen aus dem Fell des Wirtstieres und werden so in der Umgebung verstreut. Am meisten betroffen sind deshalb die Orte, wo sich das Tier am häufigsten aufhält (Liegeplatz, Teppich, Sofa,…). Je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit schlüpfen nach 4-14 Tagen aus den Eiern Larven, die sich vor allem vom Kot der erwachsenen Flöhe ernähren. Die Larven verstecken sich in kleinsten Ritzen (Böden, Teppich, Sofa) und verpuppen sich dort. Je nach Umweltbedingungen dauert die Entwicklungsphase der Puppenruhe unterschiedlich lange: Normalerweise zwischen 4 und 14 Tagen, sie kann sich bei ungünstigen Bedingungen aber auch über mehrere Monate erstrecken. Die Puppe reagiert bereits auf minimale Temperaturerhöhungen und Druckschwankungen ihrer Umgebung (die durch einen potentiellen Wirt, der den Raum betritt, erzeugt werden) und kann somit den optimalen „Schlupfzeitpunkt“ (ideal ist, wenn ein potentieller Wirt sich in nächster Umgebung aufhält) selber bestimmen. Beim Betreten (Mensch oder Tier) eines über längere Zeit verschlossenen Raumes, der mit Flohpuppen besiedelt war, kann es zum Massenschlüpfen der wartenden Puppen kommen. Die frisch geschlüpften Flöhe stürzen sich innert Sekunden auf ihr Opfer und nehmen ihre erste Blutmahlzeit zu sich; der Lebenszyklus ist vollendet.

Bei idealen Bedingungen dauert ein vollständiger Entwicklungszyklus 2-3 Wochen!!

Die Flohentwicklung findet hauptsächlich in der Umgebung des Wirtstieres statt (Liegeplatz). Bei Katzen kann man bei starkem Flohbefall aber auch Eier und Larven im Fell finden. Erwachsene Flöhe, die auf dem Wirtstier leben, machen nur gerade 2-5% der gesamten Flohpopulation aus. 50% sind Eier, aus denen 3-4 Wochen später wieder neue erwachsene Flöhe werden. Flöhe können sich das ganze Jahr über reproduzieren, speziell wohl fühlen sie sich an heißen Sommertagen mit „Hochsaison“ in den Spätsommermonaten.

Die Symptome

Entsprechend der Stärke des Flohbefalles und einer allenfalls ausgelösten allergischen Reaktion sind die klinischen Symptome unterschiedlich. Sie hängen auch davon ab, wie oft und wie lange das Tier mit Flöhen befallen war und ob weiter Hauterkrankungen und /oder eine allergische Überempfindlichkeit (Hypersensitivität) vorliegen.

Die Symptome reichen von keinem bis wenig Juckreiz bei nicht empfindlichen Tieren bis zu massivem Juckreiz und Kratzen mit daraus folgenden chronischen Hautveränderungen (regional oder generalisiert). Aufgekratzte Hautstellen können sich anschliessend bakteriell infizieren und so zu einer sekundären Pyodermie ausweiten.

Bei allergisch reagierenden Tieren reichen wenige Flohstiche aus, um eine durch den Flohspeichel verursachte allergische Flohstichdermatitis auszulösen. Die Veränderungen reichen von stark juckenden lokalen Hautrötungen bis zu einem den ganzen Körper betreffenden Flohekzem.

Ein starker und über längere Zeit bestehender Flohbefall kann zu einer Blutarmut (Anämie) führen. Speziell gefährdet sind junge, alte oder geschwächte Tiere.

Die Aufnahme von infizierten Flöhen bei der Körperpflege kann zu einem Befall mit Bandwürmern (Diphylidium caninum) führen. Wurmbefall kann unter anderem zu Durchfall führen.

Die Diagnose

Nachweis von Flohbefall: Kämmen Sie Ihr Tier mit einem feinen Kamm (Flohkamm) auf einer hellen Unterlage (Tuch, Tisch, Badewanne, Haushaltpapier). Auf der Unterlage liegende schwarze Körnchen oder kommaförmige Würstchen tupfen sie mit einem nassen Haushaltpapier oder feuchter Watte auf. Verfärben sich die Gebilde rotbraun bis rot, handelt es sich um eingetrockneten „ Flohkot“ (die Ausscheidungen der Flöhe bestehen zum größten Teil aus getrocknetem Blut). Vielleicht bleibt sogar ein ausgewachsener Floh im Kamm stecken.

Bei Tieren mit einer allergischen Dermatitis (Flohspeichelallergie) ist der Nachweis von Flöhen manchmal schwierig, da diese durch das intensive Putzen und Lecken durch das Tier eliminiert werden. Zum Nachweis einer Flohspeichelallergie können auch gewisse Allergietest hilfreich sein.

Die Behandlung & Therapie

Flohbekämpfung

Es gibt verschiedene Methoden um den Flöhen zu Leibe zu rücken. Die meisten herkömmlichen Mittel werden äußerlich am Tier angewendet. Dazu gehören Halsbänder, Puder, Spray, Shampoo und die neue Generation der Spot-on–Präparate. (Das Medikament wird an einer Stelle direkt auf die Haut des Tieres aufgetragen, verteilt sich und lagert sich für gewisse Zeit dort ein. Deshalb sind die meisten Spot-on-Präparat auch wasserfest.) Eine weitere Möglichkeit besteht in der Verabreichung einer Tablette, deren Wirkstoff für Flöhe tödlich wirkt und mit der Blutmahlzeit aufgenommen wird. Mit der Flohbekämpfung am Tier werden allerdings nur die erwachsenen Flöhe erfasst, die auf dem Hund / der Katze leben. Dies entspricht 2-5% der gesamten Flohpopulation.

Behandlung der Umgebung

Eine Behandlung der Umgebung mit entsprechenden Mitteln ist deshalb bei starkem Flohbefall eines Haustieres unerlässlich. Raum- und Umgebungssprays (Wachstumshemmer und/oder Insektizide) können gegen diesen stattlichen Rest der Flohbevölkerung eingesetzt werden. Für eine effiziente Umgebungsbehandlung sollte keine einzige Ecke ausgelassen werden. Da sich unsere Haustiere meistens in der ganzen Wohnung oder im Haus frei bewegen können, bedeutet eine Umgebungsbehandlung einen gewissen Aufwand. Eine weitere Methode zur Bekämpfung oder Verhinderung von starkem Flohbefall bietet sich in den Wachstumshemmern an. Mit dieser Medikamentengruppe wird der Flohnachwuchs systematisch bekämpft, indem der Entwicklungszyklus der Flöhe unterbrochen wird. Der Wirkstoff verhindert, dass aus den abgelegten Eiern Larven und aus den Puppen Flöhe schlüpfen – die nächste Flohgeneration kann sich also nicht entwickeln. Dementsprechend müssen aber alle Hunde und Katzen eines Haushaltes mit dem Wirkstoff behandelt werden. Wachstumshemmer existieren in verschiedenen Anwendungsformen: als Umgebungsspray, als Spot-on-Präparat und als Suspension oder Tablette, die dem Tier monatlich verabreicht werden soll.

Entsprechend den Lebensumständen des Tieres wirkt eine auf die die jeweilige Situation und Bedürfnisse zugeschnittene Behandlung von Tier und Umgebung am effektivsten.

Die Prophylaxe

Am Ende der Behandlung / Flohbekämpfung folgt die Prophylaxe, um einen Neubefall des Tieres zu vermeiden! Entsprechend den Lebensumständen wird das passende Behandlungsschema aufgestellt (wie häufig mit was wen behandeln im Haushalt).

Für weitere Fragen oder für Beratung stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Geschrieben von

Anna Geissbühler Philipp

Dr.med.vet. FVH für Kleintiermedizin
Dipl. Verhaltenstierärztin STVV

Anna Geissbühler Philipp ist seit 1991 Diplomierte Tierärztin im Kleintierbereich. Eröffnung der eigenen Praxis 1998. Durch ihre langjährige Erfahrung im Bereich Kleintiermedizin und laufenden Weiter- und Fortbildungen, vor allem in den Bereichen der Inneren Medizin, verfügt Sie über ein grosses Know-How und Wissen. Dieses gibt Sie aktiv an Ihre Mitarbeiterinnen und Auszubildenden weiter. Zusätzlich hat sich Anna Geissbühler Philipp im Bereich der Verhaltsmedizin weitergebildet und 2006 mit Diplom zur Verhaltenstierärztin abgeschlossen.